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Balkonien --- Meine Anbaugebiete


Veröffentlicht: 16.06.2019

Ich lebe mitten in Ehrenfeld, einem dicht bebauten Stadteil Kölns mit einer Häuserschlucht neben der anderen, und ich wohne in einer davon. Entsprechend sind meine Möglichkeiten begrenzt, ich versuche einfach das Beste draus zu machen.

Zur Verfügung steht mir ein kleiner Balkon ohne Dach und ein breites Fenster zur Straße hin.

    

Balkon

Der Balkon hat eine Grundfläche von rund 1,5 x 2,5 Metern, gehört in der Kategorie nicht zu den kleinsten, trotzdem könnte er ruhig ein bisschen größer sein. Die Begrenzung ist stabil, es können ohne Sorgen schwere Kästen angehängt werden. Über dem Balkon befindet sich weder ein weiterer Balkon noch ein Dach, somit habe ich keinen baubedingten Schatten zu beklagen.

Er erlaubt zwar einen netten Blick in den ruhigen Innenhof, leider ist er sehr ungünstig Richtung Nord-Osten ausgerichtet. Wenn ich Nachts auf den Balkon gehe und den Kopf leicht nach oben-links drehe, sehe ich den Polarstern. Immer, das ganze Jahr über. Sofern es nicht bewölkt ist, versteht sich. Ebenfalls bekomme ich das ganze Jahr über immer dieselben Sternbilderzu sehen, was durchaus schade ist.

Selbst im Hochsommer bekommen die günstigsten Ecken bis maximal 13 Uhr Sonne ab, bevor sie nach rechts hinter Beton verschwindet und zuletzt meine linke Balkonseite bescheint. Von Anfang Oktober bis Mitte März muss ich mich komplett mit indirektem Licht begnügen, da die Sonne es nichtmal ein lausiges Minütchen am Tag über die umliegenden Häuser schafft.

Die Lichtverhältnisse ist somit nicht die Besten, dafür habe ich halbwegs Platz für meine Untaten. Außen hängen fünf jeweils einen Meter lange stabile Kästen, und an den Innenseiten je nach Bedarf bis zu drei mit 80 Zentimetern Breite etwas kleinere. Desweiteren habe ich mir angewöhnt, an der Hausseite großes, nach oben wachsendes Gemüse in alte Erd-Tüten zu setzen, die das Sonnenlicht bis in eine Höhe von zwei Metern ausnutzen.

Auf der linken Seite habe ich eine Metall-Blumentreppe hingestellt, um das von rechts einfallende Licht in mehreren Etagen nutzen zu können. Ob da nun Kästen stehen, große Töpfe oder zweckentfremdete Erdtüten, spielt keine Rolle, Hauptsache es wächst was. Unter der Treppe ist genügend Freiraum um alte Erde, Kompost oder anderes zu lagern, ohne das es im Weg steht. Rechts eine kleine Arbeitsplatte, die ebenfalls geschützte Abstellmöglichkeiten bietet.

In manchen Jahren habe ich es mit dem Anbau-Wahn enorm übertrieben, es passte wenn überhaupt nur noch ein Balkonstuhl zwischen das Grün. 2019 hatte ich mir vorgenommen, wenigstens ein bisschen Zurückhaltung zu üben, was bisher (Juni 2019) überraschenderweis geklappt hat. Allerdings sieht es mir ein bisschen leer aus, zu wenig Chaos ist auch nicht gut. Kommt auf die Merkliste für 2020.

Wie es sich in einer straff durchorganisierten Welt gehört, sorge ich als Pedant vor dem Herrn selbst in den schattigen Monaten stets für höchstmögliche Ordnung und Sauberkeit.


Dezember 2017

Januar 2019

Straßenseite

Auf der gegenüberliegenden Seite steht mir ein dreiteiliges, bis zum Boden reichendes Fenster mit Gatter zur Verfügung, das vom Wohnzimmer aus zur Straße zeigt. Von der Sonne her ist das die Schokoladenseite der Wohnung, sie zeigt nach Südwesten und bietet über längere Zeit direkten Sonneneinfall. Im Frühjahr und Herbst habe ich dort über Stunden Sonne, während mein Balkon jene welche nur vom Hörensagen kennt.

Das Gatter befindet sich fast direkt am Fenster, dahinter gibt es eine schmale Fläche um Kästen abzustellen. Die gesamte Breite beträgt an die zwei Meter, die sich in zwei Etagen nutzen lässt.

Oben ist genügend Platz für drei jeweils 50 Zentimeter breite Kästen, die mitsamt Einhak-Halterung geliefert werden und 11 bis 14 Euro das Stück kosteten. Vielmehr passt da nicht hin, außerdem will ich die Lasten nicht zu schwer machen, damit keiner der Kästen versehentlich nach unten auf die Straße fällt. Zur Sicherheit habe ich sie zusätzlich an vier Stellen mit Draht befestigt und mit Stöcken gespickt, damit landende Tauben oder Raben das Gewicht nicht mal eben verdoppeln können. Bei den schweren Viechern gehen die dünnen Halterungen gut in die Knie, wobei sie nicht nur deswegen unerwünscht sind. Die Lücken zwischen oder seitlich der Kästen konnte ich in der Vergangenheit gut nutzen, um langen Gewächsen von der Etage darunter freien Weg nach oben zu erlauben.

Unten stehen zur Zeit zwei 60er Kästen links und rechts und ein 50er in der Mitte. Es würden auch drei 60er hinpassen, aber nun habe ich das Equipment und werde es vorerst dabei belassen. Außerdem macht der gelbe 50er farblich gut was her, die 60er waren nur in rost-rot oder ähnlich farblosen Varianten erhältlich.

Vom Ertrag her ist das nichts für Komplett-Selbstversorger, trotzdem kann nett geerntet werden. In den kleinen Kästen oben lassen sich Salate, Kräuter und ähnlich niedrige Gewächse ziehen. Oder der Platz wird für Ansaat-Töpfchen genutzt, damit die kleinen Sprösslinge vom ersten Tag an vernünftig Sonne abbekommen und sich an das harte Leben draußen vor dem Fenster gewöhnen.

Unten können größere Pflanzen gesetzt werden, wobei mir in den letzten Jahren ein paar Beschränkungen aufgefallen sind.

2018 hatte ich rechts eine Tomate gesetzt und in der Mitte eine rankende Gewürzgurke. Vom Wachstum, Platzbedarf und Ernte ging das in Ordnung, jedoch machte der Wasserbedarf Probleme. Selbst in den 50er oder 60er Kästen war kaum genügend Wasser zu parken, um die Gewächse ohne hängende Blätter über den Tag zu bringen. Die Tomate ging noch, aber die Gurke hat gesoffen wie ein Loch. Ich habe dreimal am Tag gegossen und es war zu wenig, oft sah ich hängende Blätter und habe schnell nach der Gieskanne gegriffen.

Gerade im Rekord-Sommer 2018 war das heftig, auf Vorrat gießen war nicht. Das hatte gleich zwei mindestens mittelschwere Probleme zur Folge:

Erstens, wenn ich übergossen habe schwappte das Wasser über das eingebaute Reservoir der Kästen und plätscherte im Schwall runter auf die Straße. Wenn ich Glück hatte auf die Staße, wenn nicht knallten die Tropfen auf die Fensterbank der Nachbarn unter mir und versaute deren Fenster. Da musste ich mir nicht zu Unrecht ein bisschen Gemecker anhören und habe erfolgreich Gegenmaßnahmen erforscht.

Zweitens, die Gurken wurden bitter. Wenn Gurken zu wenig Wasser bekommen, saugen die Früchte alles was da ist aus den Ästen. Auch die Bitterstoffe, die normalerweise in den Ästen verbleiben und es somit nicht in die eigentlichen Gurken schaffen. Und mit bitter meine ich nicht ein bisschen bitter sondern ungenießbar bitter. Manchmal konnte ich einen Teil der Gurke retten, da die Intensität zum Ende hin nachlässt, doch für gewöhnlich konnte ich das ganze, freudig geerntete Erzeugnis gleich dem Kompost zuführen.

Seitdem fahre ich auf der Straßenseite vorsichtiger, Salate und Kräuter machen das Leben einfacher. Nur die Tomate kann ich mir nicht verkneifen, schon alleine wegen der verdutzten Gesichter vorbeigehender Passanten. Sofern sie denn ein Auge für die Welt um sich herum haben und nicht ständig auf ihr Smartphone starren.


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